Urban Sketching: Eine Alltagsszene mit Aquarellfarben festhalten

TUTORIAL

Vom Alltag inspiriert

Urban Sketching ist ein weit gefasster Begriff, der das spontane Skizzieren oder Malen von Szenen aus dem städtischen oder alltäglichen Leben beschreibt. Ob mit Bleistift oder Aquarellfarben, diese Medien ermöglichen ein schnelles Arbeiten und eignen sich daher besonders gut, um Szenen festzuhalten, die sich direkt vor Ihren Augen abspielen. Um Ihnen dabei zu helfen, nimmt Sie unsere Partnerkünstlerin Cynthia Dormeyer mit in ein Teehaus und vermittelt Ihnen ihre Technik sowie ihre persönliche Sichtweise auf das Urban Sketching. 

Hintergrundwissen



Woher kommt das Urban Sketching?

Urban Sketching hat seine Wurzeln in Reisetagebüchern und journalistischen Skizzen. Früher hielten Künstler und Entdecker ihre Reisen zeichnerisch fest, lange bevor es Fotografie gab. Heute verbindet Urban Sketching klassische Beobachtungszeichnung mit modernem Storytelling und Social Media.


Warum viele Künstler Urban Sketching lieben:

• Es trainiert Beobachtung und Perspektive

• Man lernt lockerer zu zeichnen

• Perfektionismus wird oft reduziert

• Es stärkt den eigenen Stil

• Man erlebt Orte bewusster

• Es eignet sich perfekt für kreative Routinen unterwegs


Typische Materialien:

• Skizzenbuch

• Waterproof Fineliner

• Aquarellkasten

• Wasserpinsel

• Bleistift

• Kleine Reise-Farbpalette


Viele Urban Sketcher arbeiten absichtlich mit leichtem Equipment, damit sie überall spontan zeichnen können.

Ein schöner Gedanke hinter Urban Sketching ist auch:

Man zeichnet nicht nur einen Ort, sondern den eigenen Moment darin.

Anleitung zum Ausfüllen meines Skizzenbuchs

In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung zeige ich euch, wie man eine Alltagsszene zeichnet, in diesem Fall ein Stillleben. Ich habe es mir in einem kleinen, charmanten Trödelladen in den Ardennen gemütlich gemacht, um einen Tee zu trinken. Diese schöne Szene wollte ich in meinem Skizzenbuch festhalten.
Das Tutorial, das ich euch hier vorstelle, könnt ihr ganz nach Belieben umsetzen. Ziel ist es, eine inspirierende Szene zu erschaffen. Ich habe hier nicht versucht, die Realität exakt nachzubilden, sondern die Szene vielmehr als kreative Grundlage genutzt.
Bitte beachtet, dass mein Aquarell bei jeder Aufnahme noch frisch war. Auch wenn ich nur wenig Wasser verwendet habe, kann dies auf manchen Fotos zu einem glänzenden Effekt führen.
Übrigens: Als ich mich eingerichtet habe, ist mir aufgefallen, dass ich einige Dinge vergessen hatte, darunter eine Zeichenklammer, einen Radiergummi und ein Taschentuch. Das hat mir bei diesem Tutorial manchmal kleine Herausforderungen bereitet, was aber auch interessant war, da ich euch dadurch die Lösungen zeigen kann, die ich gefunden habe.
Benötigtes Material

1. Machen Sie es sich bequem

Legen Sie Ihr Material so bereit, dass Sie nicht danach suchen müssen. Verwenden Sie Ihre Zeichenklammern, um die Seiten gut festzuklemmen. Ich hatte meine vergessen, also habe ich Camille, die Geschäftsführerin, gebeten, mir welche auszuleihen.

2. Zeichnung mit Graphitstift

Für diese Skizze habe ich mich dafür entschieden, ohne Radiergummi zu arbeiten und meine Striche nur leicht aufzutragen. Wenn mir eine Linie nicht gefiel, drückte ich einfach etwas stärker auf den richtigen Strich, um ihn hervorzuheben.

Ich verzichte beim Zeichnen normalerweise auf einen Radiergummi, was besonders praktisch ist, wenn ich ihn einmal vergesse.

3. Technik zum Bemalen von Tasse, Löffel und Buch

Bevor ich beginne, gebe ich einen Tropfen Wasser auf die Aquarellfarben, die ich verwenden möchte, um sie zu aktivieren. Wenn Sie zum ersten Mal einen Pinsel mit Wassertank verwenden, drücken Sie mehr oder weniger fest auf den Tank, damit das Wasser in die Spitze fliesst.

Während dieses Tutorials habe ich die einzelnen Schritte intuitiv ausgeführt.

4. Farbe auftragen

Ich habe ein sehr helles Rosa verwendet und auf die gesamte Tasse aufgetragen. Anschliessend habe ich unten rechts ein dunkleres Rosa hinzugefügt, um mehr Tiefe zu erzeugen. Ich habe die Farbe aufgetragen, solange die darunterliegende Schicht noch feucht war, damit sich die Farben sanft vermischen.

Wenn der Pinsel zu viel Wasser aufgenommen hat, wischen Sie ihn an der Metallhülle oder, falls vorhanden, an einem Taschentuch ab.

5. Goldene Akzente und Schatten

Der Rand der Tasse, der Löffel und das Buch sind mit einem goldenen Effekt versehen. Dazu habe ich zunächst einen sehr hellen Braunton verwendet und dann stellenweise ein orange-gelbes Farbton hinzugefügt. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch noch ein wenig Rosa auf den Buchrücken aufgetragen.

Ich arbeite mehr Details heraus, indem ich Schatten mit etwas dunkleren Farben hinzufüge, zum Beispiel Dunkelbraun auf dem Buch. Ausserdem habe ich an einigen Stellen ein helleres Braun auf der Tasse ergänzt, was für mehr Tiefe und Kontrast sorgt. Für den Tee in der Tasse habe ich Brauntöne verwendet, die stellenweise einen Hauch von Rot enthalten.

6. Das kann passieren

Völlig versehentlich habe ich meine Hand auf einen noch feuchten Bereich gelegt und dabei einen Fleck auf dem Papier hinterlassen. 

7. Fehler nutzen wir für uns

Also habe ich erneut etwas Wasser darüber geträufelt, um einen leicht gefärbten Hintergrund zu schaffen. Das passte gut, da die Gegenstände auf einem braunen Tisch standen.

8. Die Schiefertafel in Violett

Ich trage zunächst eine Schicht verdünntes Hellviolett auf. Sobald diese getrocknet ist, füge ich die Schatten in Dunkelviolett hinzu und verwende dabei nur sehr wenig Wasser, damit die Farbe konzentriert und intensiv bleibt. Diese Schatten werden unterhalb der Tasse, der Schiefertafel und des Löffels aufgetragen.

Der Schatten unter der Tasse wurde auf die noch leicht feuchte erste Schicht gesetzt, wodurch die Aquarellfarbe leicht verläuft, und ein sanfter Unschärfeeffekt entsteht.

Ich nutze die Gelegenheit, um dem Buch an einigen Stellen einen dunklen Braunton hinzuzufügen, um etwas Struktur zu schaffen. Zusätzlich setze ich einen dunklen Rosaton am unteren Rand der Tasse ein, um das Volumen und die abgerundete Form stärker zu betonen.

9. Techniken mischen

Ich habe mehrere stark verdünnte Farben verwendet, um einen Kontrast zu den Hauptelementen zu schaffen: Gelb, Braun und etwas Violett. Im unteren Teil der Komposition habe ich Violett bevorzugt, im oberen Teil Gelb-Braun.

Ich möchte darauf hinweisen, dass der „gelbe Kreis“ oben im Bild in dieser Phase noch nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach. Ich fand, dass er nicht so gelungen aussah, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Da ich sehr gerne mit Mischtechniken arbeite, füge ich eine skizzenhafte Zeichnung mit Wachs- und Ölstiften hinzu. Ich verwende Farben, die den bereits vorhandenen Tönen ähneln. An manchen Stellen male ich bewusst über die Ränder hinaus.

Wenn Sie ein weicheres Ergebnis erzielen möchten, das ausschliesslich mit Aquarellfarben entsteht, können Sie diesen Schritt überspringen.


10. Die zweite Tasse

Zuerst fertige ich eine schnelle Skizze mit Bleistift an und achte dabei darauf, dass das darunterliegende Aquarell vollständig trocken ist. Danach male ich sie auf dieselbe Weise aus wie die erste Tasse.

Je stärker die Aquarellfarbe mit Wasser verdünnt wird, desto besser lassen sich Transparenzen und sanfte Effekte im Stil von Wasserflecken erzeugen. Das sieht man besonders gut am violetten Schatten.

Als ich etwas Abstand nahm, bemerkte ich, dass mein gelber Kreis noch angepasst werden musste. Also fügte ich etwas verdünntes Gelb hinzu. Der Vorteil dabei ist: Wenn mir die Form des Kreises nicht ganz gelingt, muss ich nur an einigen Stellen etwas mehr Wasser hinzufügen und mit einem kleinen Taschentuch vorsichtig verwischen, um meinen Fehler zu korrigieren.

11. Die letzten Details

Die zuvor mit Wachsstift gezeichneten Linien treten nun stärker hervor, da die Aquarellfarbe sie nicht verwischen kann. Mir gefällt dieser Effekt sehr gut, deshalb habe ich die Linien zusätzlich noch etwas betont.

Damit die Komposition nicht zu leer wirkt, füge ich ganz unten noch ein letztes Buch hinzu.

Ich musste etwas warten, bis das Aquarell vollständig getrocknet war, bevor ich die letzten Details ausarbeiten konnte. Das Teehaus war kurz vor der Schliessung, also habe ich an dieser Stelle aufgehört.

12. Abschluss

Als ich nach Hause kam, betrachtete ich die Illustration noch einmal mit frischem Blick und setzte mit einem weissen Acrylmarker einige Lichtpunkte auf den Löffel, die Tasse und das Buch auf der rechten Seite.

Ich danke Camille vom Teehaus und Trödelladen „Jadis et Naguère“ herzlich für den freundlichen Empfang. Ich habe dieses Erlebnis sowohl künstlerisch als auch kulinarisch sehr genossen!

Kreativer Kopf


Cynthia Dormeyer ist Street-Art-Künstlerin und professionelle Grafikdesignerin. Ihre Werke und Wandbilder zeichnen sich durch farbenfrohe, ausdrucksstarke Kompositionen und positive Botschaften aus. Sie liebt es, sich immer wieder neu zu erfinden und neue Werkzeuge auszuprobieren. Besonders gerne arbeitet sie mit Mischtechniken und Sprühfarben.

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© 2025 - Text & Bearbeitung: Cynthia Dormeyer & Herausgeber Le Géant Des Beaux-Arts

© 2025 - Bilder: Cynthia Dormeyer und Pexels.com